Sind Kühe wirklich Klimasünder? Eine differenzierte Betrachtung von Rinderhaltung und CO₂-Kreisläufen

Sind Kühe wirklich Klimasünder? Eine differenzierte Betrachtung von Rinderhaltung und CO₂-Kreisläufen

In der öffentlichen Debatte rund um den Klimawandel stehen Kühe oft am Pranger – beschuldigt, durch Methanausstoß massiv zur Erderwärmung beizutragen. Doch dieses Narrativ verkennt wichtige ökologische und chemische Zusammenhänge. Das gilt insbesondere in Regionen, in denen Ackerbau, also Erzeugung pflanzlicher Nahrung aus klimatischen und/oder topografischen Gründen kaum möglich ist. In diesen Gebieten sind Kühe nicht das Problem – sie können viele der aktuellen Herausforderungen im Bereich Ernährung und Klima lösen.

Der Kohlenstoffkreislauf: Gras, Kühe und CO₂

Um die Rolle der Kuh im Klimasystem zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den natürlichen Kohlenstoffkreislauf: Gras nimmt CO₂ aus der Atmosphäre auf und wandelt es durch Photosynthese in Biomasse um. Wenn Kühe dieses Gras fressen, verwandeln sie Sonnenenergie und atmosphärischen Kohlenstoff in hochwertiges Eiweiß, Fett und nährstoffreichen Dung, der wiederum den Boden bereichert.

Kritiker verweisen oft auf Methanemissionen als Problem, übersehen dabei aber einen entscheidenden Punkt: Das Methan stammt ursprünglich aus dem CO₂, dass das Gras zuvor aufgenommen hat. Nach etwa 10–12 Jahren zerfällt Methan wieder zu CO₂ und Stickstoffverbindungen – der Kreislauf schließt sich. Dieses System des Wiederkäuers existiert seit Jahrtausenden im Gleichgewicht.

Im Gegensatz dazu setzen fossile Brennstoffe zusätzliches, altes CO₂ frei – Kohlenstoff, der seit Millionen Jahren im Erdinneren gespeichert war. Das ist keine natürliche Kreislaufschleife, sondern eine Einbahnstraße in die Atmosphäre.

Warum Kühe bzw. Wiederkäuer in nicht ackerfähigen Regionen unverzichtbar sind

Ein großer Teil der weltweiten agrarisch genutzen Landflächen (ca. 70%) – vor allem in alpinen, trockenen oder steinigen Regionen – ist für den Ackerbau ungeeignet. In unserer Heimat, dem österreichischen Mühlviertel beispielsweise sind die Böden teils karg oder hängig und das Klima rau. Doch genau hier haben Wiederkäuer wie Kühe ihren Platz: Sie verwerten Gräser und Kräuter (und auch die vielen Nebenprodukte der Lebensmittelerzeugung), die für den Menschen nicht ess- bzw. verdaubar sind, und erzeugen daraus hochwertige Lebensmittel.

Würden Kühe in diesen Gebieten verschwinden, entstünde keine besonders artenreichen Kulturlandschaft, sondern Wald. Wald hat zwar auch eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem, bringt aber kaum Lebensmittel hervor.

Ökologisch orientierte Wiesenbewirtschaftung wie Weide und abgestufter Wiesenbau, erhalten artenreiche Ökosysteme, verhindern die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten und fördern den Lebensraum für viele bedrohte Arten. Auch der Boden profitiert: Durch den Dung der Tiere entsteht Bodenfruchtbarkeit und Humus, der CO₂ speichert und die Wasseraufnahme verbessert.

"It´s not the cow, it´s the how"

Dieser Satz bringt es am Punkt!

Rinderprodukte,aus regenerativer Rinderwirtschaft, wo Bodenschonung, Biodiversität, regionale Kreisläufe, natürliche Bedingungen und dann noch eine sehr tiergerechter Haltung und Schlachtung die wichtigsten Parameter sind, sind aus klimarelevanter Betrachtung mit Sicherheit eines der besten Lebensmittel überhaupt!

Das Gegenteil dazu sind Systeme, wo Futtermittel, aber auch Lebensmittel (Soja, Getreide, Avocado,..) oft angebaut auf abgeholzten Regenwald-Flächen, mit synthetischen Düngern gedüngt und dann noch um die halbe Welt transportiert werden, der Standard sind.

Pauschal die Kuh für den Klimawandel verantwortlich zu machen, ist deshalb nicht nur falsch – es gefährdet auch die Zukunft einer der naturverträglichsten Formen der Landwirtschaft, die wir haben und eine krisensichere, regionale, hochwertige Lebensmittelversorgung.

Ein Appell für mehr Differenzierung

Klimaschutz ist notwendig und dringlich. Aber wir brauchen eine differenzierte Debatte. Kühe sind nicht Klimakiller – gute Wiederkäuerwirtschaft ist Teil der Lösung! Für gesunde Böden, stabile Ökosysteme und einen ausgewogenen CO₂-Kreislauf.

 

Zitate und Quellenverweise:

  • Biogener Kohlenstoffkreislauf: Methan aus Kuhdärmen stammt aus CO₂, das zuvor vom Gras aufgenommen wurde. Es zerfällt nach 10–12 Jahren wieder zu CO₂ – ein natürlicher Kreislauf (Quelle: UC Davis).
  • Rolle der Weidehaltung: Gut gemanagte Weideflächen speichern Kohlenstoff im Boden und fördern Biodiversität. In nicht ackerfähigen Regionen sind Weidetiere essenziell für nachhaltige Landnutzung (Quelle: [FAO, WWF], Chaire BEA).
  • Regenerative vs. industrielle Tierhaltung: Regenerative Weidehaltung kann klimafreundlich sein – im Gegensatz zu industrieller Massentierhaltung mit Kraftfutter aus Monokulturen (Quelle: Time).
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